„Bliss“-Konzert im Beatclub

16.10.2017 | Bernd Speckmann |

Klassik-Kracher gegen Tanzmucke

Westfälische Nachrichten - 16.10.2017

Das „Arie-Duo“  mit Anita Farkas (Flöte) und Carlos Narvarro (Gitarre) zündete im „Bliss“-Konzert im Beatclub ein Feuerwerk an Überraschungen. Foto: Ulrich Coppel

Greven - Stehende Ovationen, und mehrere Zugaben, darunter Montis Czardas und ein hinreißendes „Tico Tico“: Das „Arie-Duo“ mit Anita Farkas (Flöte) und Carlos Narvarro (Gitarre) zündete im sehr gut besuchten „Bliss“-Konzert im Beatclub ein Feuerwerk an Überraschungen. Von Ulrich Coppel

Mittelmäßig gespielter Piazzolla hat ungefähr den Esprit eingeschlafener Füße. Nichts ist abgegriffener als ein Gitarren-Kammerkonzert mit umgeschriebenen Bizet-„Carmen“-Hits. Auch ein Musikrezensent ist nur ein Mensch. Und mit derart trüben Erwartungen machte der sich am Freitagabend auf, das dritte Konzert mit Werken dieser Komponisten in einer einzigen Woche zu besuchen. Doch das „Arie-Duo“ mit Anita Farkas (Flöte) und Carlos Narvarro (Gitarre) zündete im sehr gut besuchten „Bliss“-Konzert im Beatclub ein Feuerwerk an Überraschungen. Sogar für das Duo selber.

Der erste Fehler war, dass das Konzert um 20.30 Uhr, und nicht früher begann. Schon auf dem Weg zum Gewölbekeller, direkt unter dem Restaurant „Zum Goldenen Stern“ gelegen, ließ eine größere Anzahl von Trachtenjanker tragenden Menschen, die den Eingang zum Erdgeschoss wählten, vermuten, dass dort einmal nicht griechisch getanzt werden würde. Das konnte also heiter werden.

Eigens für das „Arie Duo“ komponierte der US Amerikaner Alan Thomas eine „Fantasie auf Themen aus Johann Strauss Operette „Die Fledermaus“. Sauber und unterhaltsam beschwingt musizierten Farkas und Navarro die zirkusreifen Kunststückchen, die auch 150 Jahre früher hätten entstanden sein können. Es folgte Astor Piazzollas komplette viersätzige „Historie du Tango“. Im ersten Satz „Bordel“ infiltrierten bereits leise Albertibässe von oben. Doch die knisternde Musikantik des „Arie Duo“ erlaubte keine Sekunde Ablenkung.

Carlos Narvarro ist eine echte Rampensau, spontan griff er die massiven Störungen auf und verwandelte sie in seinen Moderationen kurzerhand in Standup-Comedy, während GWK-Geschäftsführerin Susanne Schulte mit den Beatclub-Verantwortlichen verzweifelt versuchte, oben für moderatere Lautstärke zu sorgen. Grotesk.

Doch selbst das fragile „Andante“ aus J.S. Bachs Sonate für Flöte und Basso Continuo e-moll, BWV 1034 nahm trotz hämmernden Schlagzeuges keinen Schaden. Musiker sprechen ihre Sprache. Und wenn sie das gut machen, dann versteht diese Sprache jeder Mensch auf der Welt. Ohne Wenn und Aber musizierten Farkas und Navarro ihre Klangreden und erlaubten Missverständnisse oder Zweifel. Was kann schöner sein als Narvarros Gitarren-Continuo?

In Pablo Sarasates „Carmen Fantasie“, einem Virtuosenstück schlechthin, ließ es Anita Farkas richtig krachen. Ohne Zweifel zählt sie in ihrem jugendlichen Alter zu den Größten. Sowohl Farkas als auch Narvarro sind jeweils unabhängige GWK-Förderpreisträger, welcher die beiden ehemaligen Detmolder Musikstudenten zum Duo vereinte. Stehende Ovationen, und mehrere Zugaben, darunter Montis Czardas und ein hinreißendes „Tico Tico“. Bravissimi!

Quelle: Westfälische Nachrichten
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