Beatclub-Festival Greven

09.07.2017 | Bernd Speckmann | 0 Kommentare

Viele Jahre später

Westfälische Nachrichten - 09.07.2017


Greven - Das Beatclub-Festival am, Samstagabend lockte rund 1100 Menschen in die Emsaue. „The Magic of Santana“ und „Ten Years After“ überzeugten.

The Day after: Das Aufwachen ist keine Freude. Wundenlecken ist angesagt. Der Rücken zwackt, die Füße schmerzen, ein kleiner Teufel treibt sein Unwesen im Hinterkopf. Doch: Es ist ein gutes, ein richtig gutes Gefühl. Es war ein Abend wie früher. Abtanzen, hotten, klatschen – und endlich mal nicht diese akustischen Umweltverschmutzung, die überall in den Radios läuft. Endlich mal wieder gute, handgemachte Rockmusik.

The day before: Die Leute vom Beatclub sind nicht zufrieden. Der Vorverkauf lief schleppend. Überall Abifeiern, Stadtfest in Münster – war der Zeitpunkt fürs Konzert falsch gewählt? Doch dann am Abend wird alles gut. Sehr viele Karten werden an der Abendkasse verkauft. Rund 1100 Menschen wollen sich von den Gruppen abrocken lassen.

The little Band before: Die Jungs und die klasse Sängerin der Beatclub-Allstars geben Vollgas, leider vor noch magerer Kulisse. Wer da ist, ist begeistert. Die Musiker haben‘s drauf, gespielt werden alte Rock-Klassiker. Eine tolle Einstimmung auf das, was kommt.

The Coverband: Nein, das kann nicht sein. Augen zu und alles ist echt. Richtig geniale Musiker machen Dampf, bringen den Rhythmus, der wirklich niemanden kaltlässt. Santana pur, die echten Sänger, die begnadete Percussion- und Schlagzeugabteilung, und Elwood mit Gitarre. Was in drei Gottes Namen macht ein Bluesbrother auf der Bühne? Und warum spielt der so genial die Gitarre im unverkennbaren Carlos-Santana-Stil? Powersongs wie Jingo lösen Balladen ab. Carlos? Der fehlt hier wirklich niemandem. Und die Sänger sind sowieso original. Die Band begeistert, reißt mit. Auch das eher mager vertretene jüngere Publikum ist hin und weg. Coverband? Ja, ein bisschen. Aber absolut professionell – wie das Original. Oder manchmal sogar besser? Die Jungs dürfen gerne auch noch ein drittes Mal kommen.

Ten Years after: Drei alte Männer und ein neuer Gitarrist. Was sollen die schon bringen? Zugegeben: Ein wenig Skepsis war schon da. Und bei den Jüngeren war es Neugierde. Die hatten von der Band noch nie was gehört. Kein Wunder: Die Woodstock-Zeit ist – leider – lange vorbei und nur noch für die Eltern ein Mythos. Bluesrock – zwar vom Feinsten, aber der ein oder andere hat ein Problem damit. Doch: Die alten Männer auf der Bühne sind noch voller Power, müssen sich nicht verstecken – und Marcus Bonfanti schon mal gar nicht. Alvin Lee, ehemaliger Kopf der Band und leider vor vier Jahren verstorben, hätte seinen Spaß an dem Burschen gehabt. Es ist ein Genuss, wie er die Gitarre spielt, die Saiten leise zupft oder wüst reist, ihnen Töne entlockt, die verzücken. Die lange Mähne, die schweißverklebt sein Gesicht verdunkelt, tut das Ihrige. Ja, Bonfanti ist Alvin Lee gefolgt, ist Mittelpunkt der Band, treibt seine Mitspieler an, fasziniert das Publikum. Unten auf der Wiese wird getanzt, fliegen die Haare, so es sie noch gibt, wie in alten Zeiten. Und dieser süßliche Geruch, Parfüm oder . . .?

Auch der Bass bekommt seine Zeit, und Rick Lee an der Schießbude darf seine Trommeln und Becken solo bearbeiten, mit den Stöcken, mit der Hand. Aber spätestens da wird es leerer, einige haben dazu einfach kein Verhältnis. Die, die bleiben, und das ist die große überwältigende Mehrheit, werden belohnt. „Good Morning Little Schoolgirl“ und dann – natürlich – „I’m going home“. Wie lang? Keine Ahnung, aber Bonfanti macht‘s wie Alvin Lee, bearbeitet seine Gitarre minutenlang, haut ein geniales Solo raus. Der Mann muss sich wahrlich nicht verstecken.

The Minutes after Midnight: „We are breaking the Rules“, erklärt Bonfanti. Die Jungs auf der Bühne hauen noch eine Zugabe hinterher. Und: Sie lassen begeisterte Fans zurück, die an diesem Abend ganz viel von ihrer Jugend zurückbekommen haben – und dazu richtig gute Musik.

Quelle: Westfälische Nachrichten
Keine Kommentare vorhanden.
QR-Code